
Von Gerd Kehrer
Die Stadt Frankfurt am Main, im Volksmund spitz und flippig auch „Mainhattan“ genannt, wird heute immer öfter mit den großen Metropolen dieser Welt verglichen. Vornehmlich also mit „Big Apple“ – New York. Wer so viel Ehre erfährt, kann demnach nicht gerade klein oder unbedeutend sein und ist zurecht auch stolz auf das, was er aufzuweisen hat. Architektonische Größe, Skyline, Hochhäuser und Banken allein aber machen noch keine Großstadt oder City, die das Prädikat l(i)ebenswert verdienen. Ohne das Individuum Mensch nämlich hätten sie kein Gesicht und ohne Humanität keine multikulturelle Gesellschaft. Dazu aber gehören ebenso die filigranen Facetten menschlicher Ballungszentren, die weniger spektakulären Hintergründe, das eigenständige, von innen her gewachsene Profil. Und genau das macht Frankfurt, trotz aller Widersprüche, zur Attraktion.
Denn nach zwei verheerenden Weltkriegen spiegelt sich hinter dem rasanten Wachstum himmelstürmender Fassaden, wie eh und je, ihre reiche Geschichte und eine sensible Tradition. Die hohe Wirtschaftskraft der hessischen Ebbelwei-Hochburg Frankfurt, ihre internationale Kultur und Weltoffenheit, verändern und öffnen sie ständig. Innen wie außen. Sie lebt.
„Immer wenn ich hier war, spürte ich beides: Weite einer Weltgesinnung und Nähe eines Heimatgefühles – Goethe und Friedrich Stoltze.“ So beschrieb der ehemalige Bundespräsident Theodor Heuss 1959 in der Paulskirche den geistigen Freiraum Frankfurt – das heutige „Mainhattan“.
Den rasanten Aufbau meiner Heimatstadt Frankfurt und ihre Entwicklung aus der Not des zweiten Weltkrieges habe ich seit frühester Kindheit miterleben und beobachten können. Der Bilderzyklus Frankfurt – Mein Mainhattan umschreibt und reflektiert sowohl mit malerischen als auch fotografischen Mitteln die faszinierende Wandlung ihrer Gesichter und Gesichte.
Gerd Kehrer, Frankfurt – Mein Mainhattan, Bilderzyklus. Übermalte Collagen,1993/94 und 2001.
Alle Werke sind vorder- und rückseitig signiert, datiert und im Besitz des Künstlers. GKWV 2001