Er kommt

24 GK AKTUELL 2011

Friedrich Karl Waechter – Zeichenkunst, so lautet der Titel einer Ausstellung im Museum für
Angewandte Kunst, MAK. Hinter den Stellwänden gibt’s immer wieder mal Gelächter,
verhalten oder laut brüllend. Wer war’s, wie geschah’s, was war los? Und manche ältere
Damen sind still entrüstet ob FKWs gestrichelten „Obszönitäten“, wenden sich pikiert von
dannen oder wagen dennoch mal verstohlen und vermeintlich unbemerkt einen Blick auf ein
steifes Glied oder eine provozierende Illustration mit dem Titel: „Er kommt“, in der der Papst
ein Schäfchen deckt.
Ein Werk von höchster Aktualität, gerade nach den Kinderschändungen der Katholischen
Kirche und dem bevorstehenden Deutschlandbesuch des heutigen „Stellvertreter Gottes“, dessen
Luftsprung vom Vatikan ins Vaterland dreißig Millionen Euro kostet. Dafür könnte er das
verhungernde Somalia von seinem Elend befreien. Mit F.K. Waechter da droben, der leider
viel zu früh verstorben ist, freue ich mich herzlich über den großen Erfolg dieser Ausstellung.
Damals, in den 60ern, im kreativen Nordend, war er mein Nachbar. „Wahrscheinlich guckt
wieder kein Schwein“, hätte er heute aber bestimmt nicht gesagt. Letztmals habe ich den
langen „Struwwelpeter“ und ehemaligen Käpt’n der Titanic vorm Schauspiel Frankfurt
gesehen, als er dort sein altes Fahrrad abstellte.

GK 8/2011