Der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland, kurz Bundesverdienstkreuz genannt,
ist immer ein Kreuz. Denn die meisten verdienen es nicht, andere wollen es nicht und die,
die es wirklich verdient hätten, bekommen es nicht. Manche geben es auch zurück; dann
nämlich, wenn es ihnen zur unerträglichen Bürde wird. Sogar Angehörige von Inhabern der
zackigen Medaille senden sie nicht selten posthum und ganz im Sinne ihrer Verstorbenen,
dem Staat und seinen Gönnern, zurück.
Den massenhaft, doch kaum an Frauen verliehenen Verdienstorden der BRD gibt es in drei
Klassen: Verdienstkreuz, Großes Verdienstkreuz, Großkreuz, sowie in acht verschiedenen
Stufen und vielfältigen Ausführungen, je nach staatlicher Leistungsbewertung des zu
Ehrenden. Auch eine automatische Verleihung bestimmter Ordensstufen für Beamte obliegt
der oft peinlichen Fürsorge des Staates. Somit hat alles eine hierarchische Ordnung und
jeder Deutsche seine sichtbare Schublade.
Die meisten Laureaten allerdings begleitet das kitschige, samt- oder seidengebettete
Metallstück bis in den Tod. Möglicherweise sind nicht wenige auch schon daran gestorben,
weil es zu eng mit Kopf und Kragen verknüpft war. Nur allzuoft nämlich liest man in
Traueranzeigen unmittelbar unter dem Namen eines Verstorbenen, quasi als Halsband:
Träger des Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. Doch Opfer, das weiß
man, fordert immer nur der Staat.
GK 1/2011