Der Römerberg

3 GK AKTUELL 2010

Kein Disneyland in der Frankfurter Altstadt.

Lieber hundert Feinde als zehn falsche „Freunde Frankfurts“. Der Gedanke, den vom Krieg zerstörten Dom – Römer – Bereich mit einer Rekonstruktion der Frankfurter Altstadt zu bebauen, ist ebenso absurd wie der Gedanke Leichen auszugraben, um sie wieder am Leben teilhaben zu lassen. Ein Schildbürgerstreich also, mit möglicherweise irreparablen (im)materiellen Schäden für die StadtFrankfurt.

Das Herzstück ihrer leidvollen Stadtgeschichte kann und darf weder spießiger Heimattümelei noch irgendwelchen Utopisten und schon gar nicht eiskalten Geschäftemachern zum Opfer fallen. Daher müssen relevante innovative Kräfte – Intellektuelle, Künstler, Architekten u.a. in jedem Fall verhindern, daß auf dem Römerberg und seinem Umfeld, die bereits vorhandene Rekonstruktion der Ostzeile „Disneyland“ erweitert wird. Egal von welcher Seite auch immer sie beklatscht werden sollte.

Internationale Experten-Gutachten sowie die öffentliche Ausschreibung eines internationalen Architektenwettbewerbs sind der einzig richtige Weg zu einer vernünftigen Lösung dieses Problems.

Seelenlose 1:1 Altstadt-Attrappen rund um den Römerberg hingegen, wären die Vorspiegelung falscher Tatsachen, eine Geschichtsfälschung, die den Terror zweier Weltkriege verkleistert und aus dem Gedächtnis nachkommender Generationen löscht. Nichts weiter also als ein Exempel architektonischer Augenwischerei, die ihr eigenes Grab schaufeln würde und neue City-Sozial-Probleme vorprogrammiert.

Vermutlich aber stehen hinter dieser Absicht auch noch unausgesprochene kommerzielle Interessen, wie die Förderung des bereits vorhandenen Massentourismus aus USA und Asien, um den sensiblen Innenstadtbereich zu einem umsatzstarken gastronomischen Erlebnispark „Altstadt Frankfurt“ auszubauen. Disneyland zwischen Dom und Römer, mit Mc Donalds und Äbbelwoi.

Ethisch und moralisch sowie aus den Erfahrungen deutscher Geschichte aber ist jeder Vorschlag als menschenverachtend abzulehnen, der die Kriegsleiden nur mit einer Gedenktafel abhandeln möchte.

Allen Toten, den Naziverbrechen an Juden und ethnischen Gruppen kommt an diesem historischen Ort, unmittelbar vor der Paulskirche und dem Stadtparlament, höchste Bedeutung zu. Es kann deshalb auch kein Zweifel daran bestehen, daß hier nur ein kulturelles Zentrum mit hohem Anspruch entstehen darf, dessen Geist ein architektonisches Gesamtkunstwerk von internationalem Format widerspiegelt.

GK 2005 Gekürzte Veröffentlichung in FNP 23.07.2010