
Kunst in der Kammer 6, Gerd Kehrer Ausstellung in der IHK Frankfurt, 20.03. bis 22.12.2003
Von Ursula Grzechca-Mohr
Der zwölfteilige Bilderzyklus „Paulskirche“ des Frankfurter Malers Gerd Kehrer steht im Mittelpunkt der aktuellen Ausstellung „Kunst in der Kammer 6“. Die Schau entstand in Kooperation mit dem Städelschen Kunstinstitut und ist bis 22. Dezember in den Dalberg-Räumen der Industrie- und Handelskammer Frankfurt zu sehen.
Die zwölf expressiven Ölpastelle auf Papier zeigen die Frankfurter Paulskirche, die Wiege der deutschen Demokratie, mal dynamisch, mal beflügelt, bunt, verzerrt, aber immer ausdrucksstark. Das sich wandelnde Bild der Paulskirche, das Gerd Kehrer entwirft, steht für ihre unterschiedliche Rolle in der Geschichte. Die Wiederholung des Motivs kommt einem Bekenntnis des Künstlers zur historischen Bedeutung des Ortes gleich, an dem die erste konstituierende Sitzung der deutschen Nationalversammlung stattfand.
Der Künstler möchte mit dem 1994 /95 entstandenen Bilderzyklus die Bedeutung des historischen Ortes wahren und dessen Botschaft aktualisieren. Zum 150. Jubiläum der Paulskirche und im Vorfeld der Ausstellung 1848 – Aufbruch zur Freiheit erschien dieser Zyklus in der vom Künstler veröffentlichten Publikation Paulskirche. Sie erfuhr in der Öffentlichkeit, im Hessischen Landtag, im Deutschen Bundestag, beim Bundesverfassungsgericht sowie den Deutschen Botschaften eine große Resonanz.
In einem zweiten Zyklus hat Kehrer erneut die Paulskirche als Vorlage genommen. Sie ist auf drei großformatigen Gemälden dargestellt. Der charakteristische Umriß der Kirche löst sich aus schwerem, dunklem Malgrund durch die Leichtigkeit seiner Linie, die Vitalität der Farben und schließlich durch das Symbol der Flügel. Diese verkörpern die befreiende Idee der ersten Nationalversammlung, eine souveräne Entscheidung des Volkes auf parlamentarischem Wege zu erreichen.
Als weiteres Werk des Künstlers wird Mainhattan for Manhattan 9/11 präsentiert. Mit diesem Objekt begann der Künstler schon vor dem tragischen Ereignis, fertig gestellt wurde es dann unter dem Eindruck des terroristischen Anschlags auf das World Trade Center in New York. Es gehört zum Zyklus Umwelt-Re-Aktion, der direkte Bezüge zu aktuellen Zeitgeschehnissen herstellt.
Dr. Ursula Grzechca-Mohr
Ausstellungskuratorin, Kustodin der Städtischen Galerie im Städel, Frankfurt 5 /2003
Gerd Kehrer – Citykirchen
Daten und Fakten zu fünf Bilderzyklen:
Paulskirche 1994 /95
12 Ölpastelle auf Ölpapier mit gerissenem Rand
St. Leonhard 1994 /97
9 Ölpastelle auf Ölpapier mit gerissenem Rand
Alte Nikolaikirche 1994 /98
6 Ölpastelle auf Ölpapier mit gerissenem Rand
St. Katharinenkirche 1995
14 Ölpastelle auf Ölpapier mit gerissenem Rand
Liebfrauenkirche 1995
6 Ölpastelle auf Ölpapier mit gerissenem Rand
Alle Werke, Hochformat 47 x 40 cm, signiert und datiert, sind im Besitz des Künstlers.
Erstmals wurden die fünf Bilderzyklen in der Ausstellung – Mitten – in der St. Katharinenkirche gezeigt. Mit 6000 Besuchern war es 1995 die meistbesuchte Einzelausstellung in Frankfurt am Main.
Zum 150. Jubiläum der Paulskirche im Jahre 1998 erschien in der Gerd Kehrer EDITION ArtFrankfurt der Katalog Paulskirche mit Texten von Dr. Karin Schambach und Dorothee Baer-Bogenschütz. Diesen stellte 1997 der hessische Landtagspräsident, Klaus Peter Möller, gemeinsam mit dem Künstler in einer Pressekonferenz des hessischen Landtags vor.
2004 wurden einige Werke des Zyklus St. Leonhard zum Patronatsfest der Kirche im Pfarrsaal ausgestellt.
In Gerd Kehrers Ausstellung – Citykirchen – 2008 im Diözesanmuseum Limburg, wurden, bis auf wenige Ausnahmen nur, erneut die fünf Bilderzyklen der Öffentlichkeit präsentiert. Dazu erschien ein Katalog mit Bildern und Texten sowie einem Video Citykirchen von Prof. Dr. August Heuser.