Gustave Courbets Felsen, Abgründe, Schluchten, Grotten, Meere und Wogen sind der
Realität entliehene Synonyme und Protestbilder gegen seine Zeit. Unüberwindbare Barrieren
gegen Verlogenheit, gegen gesellschaftlich verkrustete Traditionen, gegen Kleinbürgertum
und gegen die Feinde der Kunst. Seine subtilen Porträts erahnen Träume von einer besseren
Welt. Als versteckte Satiren präsentieren sich die Gesellschaftsbilder.
Courbet war ein Rebell vor der Moderne, ein Maler voller Poesie. Seine Werke aber gehören
niemals in das schwülstig gestaltete Ambiente eines Kegelbahnkabinetts à la Schirn, das
besonders im Besucherandrang dem Rezipienten eine vergleichende Betrachtung unmöglich
macht.
Daß jedoch das Revolutionärste seiner Werke, L’origine du monde, in diesem Zusammenhang
noch nicht einmal in der separaten Videopräsentation gezeigt oder zumindest erwähnt wird, ist
kunsthistorisch wie didaktisch unverzeihlich. Und ausgerechnet in der Stadt, in der er einmal
gelebt und der er bildnerische Widmungen hinterlassen hat. Pardon Gustave! Im Namen
Goethes: „Frankfurt steckt voller Merkwürdigkeiten“.
GK 23.10.2010 Zur Ausstellung in der Schirn: Courbet. Ein Traum von der Moderne.